Textilindustrie
Plauener Spitze auf neuen Wegen
Wie Vogtländer Betriebe gemeinsam moderne Anwendungen für ihre klassische Technik finden
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Schnell und präzise: Stickperle-Mitarbeiter Karl-Heinz Schmidt hat seine Maschine im Griff. Fotos: Schimunek (5) |
Unentwegt rattert die 22-Meter-Maschine: 752 Nadeln sticken goldene, weiße, grüne Fäden auf die Bahn. Das Ergebnis: Tischdecken, Marke Plauener Spitze, produziert bei Stickperle im vogtländischen Falkenstein. In der Region stellen 70 Unternehmen Textilien in dem weltberühmten Stil her. Doch dabei soll es nicht bleiben: Einige Firmen wollen jetzt gemeinsam ganz neue Märkte erschließen.
Falkenstein. Unentwegt rattert die 22 Meter lange Maschine. 752 Nadeln sticken goldene, weiße, grüne Fäden auf die Bahn – mit bis zu 1.000 Stichen pro Minute. Allmählich wird das klassische Design sichtbar: Hier entstehen Tischdecken der Marke Plauener Spitze. Karl-Heinz Schmidt, Mitarbeiter der Firma Stickperle im vogtländischen Falkenstein, hat die Maschine im Griff: „Mal muss ein gebrochener Faden gefädelt werden, mal eine leere Garnrolle ersetzt.“ Und das fix, „damit die Maschine nicht zu lange steht“.
Konkurrenten kooperieren
Schmidt hat viele Kollegen in der Region: 70 Stickerei-Unternehmen produzieren im Vogtland zum Beispiel Tischwäsche oder Gardinen in dem weltberühmten Stil.
Doch einigen Firmen steht der Sinn nach Neuem. Sie wollen Kunden aus der Industrie gewinnen. Nicht etwa, um Auto-Sitzbezüge mit Spitzen zu verzieren – sondern um ihrer Technik ganz neue Märkte zu erschließen. Dafür engagiert sich etwa Cordula Bauer, die Chefin von Schmidt und 30 weiteren Beschäftigten.
Sie erklärt: „Heimtextilien sind unser Hauptgeschäft, das Umsatzwachstum ist aber so, dass ein zweites Standbein gebraucht wird.“
Mit Innovationen die Zukunft sichern: Dafür fanden sich 2005 die ersten Betriebe zusammen. Eigentlich sind sie ja Konkurrenten. Aber sie wissen: „Mittelständische Firmen können die Kraft für solche Innovationen kaum allein aufbringen.“ So sagt es Marco Wetzel, Verkaufsleiter der Plauener Firma Dietrich Wetzel (75 Mitarbeiter).
Ergebnis der Kooperation: der „Wachstumskern HighStick“, seit 2007 gefördert vom Bundesforschungsministerium. Und dieses Netzwerk hat inzwischen schon einige fast serienreifer Produkte entwickelt.
Verblüffende Innovationen
Ideen waren schnell gefunden. Aber damit, erklärt Wetzel, war es ja noch nicht getan: „Wo gibt es einen Markt für ein Produkt, welches Material wird genommen, mit wem kann die Maschine für das neue Produkt umgerüstet werden?“
Lösungen für diese und viele andere Fragen sind im Team erarbeitet worden. Unter den knapp 30 Netzwerk-Partnern sind zum Beispiel auch Textilveredler, Maschinenbauer und allein acht Forschungsinstitute. Einige Ergebnisse verblüffen:
Die Plauener Firma Modespitze (zwölf Beschäftigte) tüftelt an gestickten Senso-ren. Integriert in Faserverbund-Material, können sie beispielsweise die Belastung von Windkraft-Rotoren im Betrieb messen.
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