Einwanderer
Die bringen uns voran!
Warum der neue Bundespräsident auf Multikulti setzt
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Aygül Özkan: Die türkischstämmige Deutsche ist die erste muslimische Ministerin. Foto: dpa |
Was im Fußball so gut klappt: Geht das im ganzen Land? Bundespräsident Christian Wulff erklärte in seiner Antrittsrede die Integration von Leuten aus anderen Kulturen zum zentralen Thema seiner Amtszeit. Sein Motiv: Nur wenn das Thema Integration endlich vernünftig angepackt wird, vermeiden wir ein demografisches Desaster.
Berlin. Was im Fußball so gut klappt: Geht das im ganzen Land? Bundespräsident Christian Wulff erklärt die Integration von Leuten aus anderen Kulturen zum zentralen Thema seiner Amtszeit: „Unsere Vielfalt ist
zwar manchmal anstrengend“, sagte er in der Antrittsrede, „aber sie ist Quelle der Kraft und der Ideen.“
Nach einem Regierungsbericht gibt es 16 Millionen „Menschen mit Migrationshintergrund“: Sie oder ihre Vorfahren sind seit 1950 zugewandert. Schulabbruch und Arbeitslosigkeit sind doppelt so häufig wie bei Deutschstämmigen. Wieso beschwört Wulff trotzdem „unsere bunte Republik Deutschland“?
Bevölkerung schrumpft
Die Antwort: Nur wenn das Thema Integration endlich vernünftig angepackt wird, vermeiden wir ein demografisches Desaster. „Wir müssen unser Land weiter internationalisieren“, drängelt Wulff – der im April, als niedersächsischer Landesvater, die in Hamburg geborene Muslimin Aygül Özkan zur Sozialministerin machte.
Laut Statistischem Bundesamt schrumpft die Bevölkerung dramatisch – von 82 auf 77 Millionen im Jahr 2030 und 65 Millionen 2060. Dabei ist unterstellt: Pro Jahr kommen per saldo 100.000 aus dem Ausland dazu.
Vorbild Kanada
Selbst davon sind wir weit entfernt: 2009 wanderten mehr Menschen aus als ein (Grafik). 579.000 Ausländer und 155.000 Deutsche kehrten uns den Rücken. Das hat Folgen für uns alle: Den Sozialkassen feh-len Beitragszahler, dem Staat Steuerzahler, den Betrieben Fachkräfte.
Das Prognos-Institut in Basel gab Anfang Juli eine Schock-Prognose ab: Wenn es so weiter- läuft, haben wir bis 2035 nur ein mickriges Wirtschaftswachstum von 1 Prozent pro Jahr. Selbst ein Baby-Boom würde daran nichts ändern: Arbeitskräfte entstünden daraus ja erst in 20 Jahren.
Die Empfehlung „mehr Zuwanderung!“ hat Wulff in seiner Rede vermieden. Doch sein Loblied auf die „unendlich vielen Erfolgsgeschichten“ von Migranten weist den Weg für eine intelligente Einwanderungspolitik – wie sie die Wirtschaft längst fordert. Etwa nach dem Beispiel von Kanada, das den Zuzug per Punkte-System steuert: Dort sind 99 Prozent der Zuwanderer überdurchschnittlich qualifiziert.
Barbara Auer
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