07. September 2010
 

Unternehmen

Frauen-Power am Steuer

Deutschlands erstes Autohaus mit rein weiblichem Personal

Das weibliche Personal ist zwischen 19 und 26 Jahre alt. Ihr anregendes Firmenlogo: ein Kussmund. In Hennigsdorf, am nördlichen Stadtrand von Berlin leitet die 23-jährige Maria Erkner ein Autohaus, in dem die Werkstatt eine (fast) männerfreie Zone ist.

Beratung erregt Aufsehen

Überall dasselbe Bild: „Kommt ein Paar ins Autohaus, spricht der Verkäufer meistens nur mit dem Mann“, schildert Erkner ihre Erlebnisse. Die Frauen schalteten ab, ihre Meinung sei ohnehin nicht gefragt.

Eine Riesen-Chance für „Señorita Maria“ – die Serviceberaterin Jennifer Dambeck auch nutzt: Sie erklärt, wenn es sein muss jede Schraube auf der Rechnung. „Bei Ihnen klappert’s im Radlagergehäuse – das versteht doch keiner. Ich zeige, dass hier, wo man das Rad anschraubt, was lose ist.“

Auch Männer seien dankbar für anschauliche Erläuterungen. „Ist ja nicht jeder Kerl ein Auto-Profi“, sagt sie mit kokettem Augenaufschlag.
Dass diese Form der Beratung Aufsehen erregt, ist Erkners Vater und Geldgeber Sven Erkner nur recht. „Marketing-Gag hin oder her: Wir packen in der Konjunkturkrise zumindest an, statt rumzujammern.“


Bilder-Galerie (3 Bilder)

Seine Vorgabe: Spätestens im September muss der Laden aber Gewinn machen. Kein geringer Druck also, der auf den jungen Frauen lastet.

Sie wollen vor allem mit gutem Service überzeugen. So prüft Lehrling Jeanny Hahnel unter dem Blick von Mechatronikerin Schubert in der Werkstatt, ob Bremsen oder Motorteile verschlissen sind.

Selbstständig und zupackend

Schubert, die auch Lehrlingsbeauftragte ist, beginnt währenddessen schon eine Neuwagen-Übergabe vorzubereiten. „Mir gefällt, dass wir hier sehr selbstständig arbeiten können“, sagt sie zwischen zwei Handgriffen. Sie lernt außerdem abends und am Wochenende für ihren Meisterbrief.

Unterschiede zu gemischten Teams fallen der Mechatronikerin, die zuvor in einer anderen Werkstatt gearbeitet hat, zunächst nicht ein.

Dann meint sie: „Männer wollen einem höchstens mal was abnehmen. Wenn sie denken, das wär zu schwer zu tragen.“ Als Bevormundung oder Besserwisserei scheint sie das nicht zu sehen.

Die angehende Kfz-Mechatronikerin Hahnel erzählt: „Ab und zu fragt mich Janine schon mal, ob ich klarkomme.“ Zwischen Verkehrsmeldung und nächstem Hit, der aus dem Werkstattradio dudelt, sagt sie: „Aber das ist doch normal, wenn man Lehrling ist – egal, ob Junge oder Mädchen.“

Eva Schröder

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