29. July 2010
 

Preisverfall

Was kost' denn hier 'ne Kiste Bier?

Und was trinkt der „Dittsche“? So ganz genau wissen wir das nicht. Was wir wissen: Die TV-Ikone, gespielt von Olli Dittrich, spuckt nicht gerade ins Glas ...

Der Typ ist TV-Kult: Immer sonntagabends quasselt sich „Dittsche“ alias Olli Dittrich als schräger Frittenbuden-Philosoph quer durch die Ereignisse der Woche. Treibstoff für Dittsches wirres Hirn: knapp 3 Pullen Bier pro Sendung. Vielleicht hat sich Dittsche ja eine seiner skurrilen „Welt-Ideen“ in den Schädel gesetzt: Allein gegen die ewige Ebbe auf dem Biermarkt anzupicheln. Seit Jahren nämlich vergeht den Deutschen zunehmend die Lust aufs kühle Blonde. Dabei wird Bier gerade immer billiger.

Der Typ ist TV-Kult: Immer sonntagabends quasselt sich „Dittsche“ alias Olli Dittrich als schräger Frittenbuden-Philosoph quer durch die Ereignisse der Woche. Treibstoff für Dittsches wirres Hirn: knapp drei Pullen Bier pro Sendung. Und die dauert bloß 30 Minuten ...

Dittsche und seine Druckbetankung – Suchtexperten oder Betriebsärzte dürften da spontan Kopfschmerzen bekommen. Vielleicht aber hat sich Dittsche ja auch nur eine seiner skurrilen „Welt-Ideen“ in den Schädel gesetzt: Allein gegen die ewige Ebbe auf dem  Biermarkt anzupicheln.

Genug zu tun hätte er da. Seit Jahren nämlich vergeht den Deutschen zunehmend die Lust aufs kühle Blonde. 110 Liter Bier pro Nase süffelten wir letztes Jahr durchschnittlich. Klingt viel. Aber Mitte der bierseligen 70er-Jahre waren es 150 Liter.

Die Folge des versiegenden Bierdursts ist ein glasharter Kampf der Bierbrauer um Marktanteile. Und der läuft, zur Freude des Kunden, vor allem über den Preis. Bier, lange Zeit argwöhnisch behütetes deutsches Kulturgut, wird derzeit zu Spottpreisen verramscht: Eine Kiste Pils gibt’s schon ab 4 Euro.


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Pakt mit dem Teufel

Die Hersteller liefern sich derzeit eine regelrechte Mengen- und Preisschlacht“, sagt der Branchenexperte Robert Brunner vom Fachmagazin „Braumanager“. Und die läuft so: Weil auch große Brauereien seit Jahren unter sinkenden Absatzzahlen leiden, schließen sie Verträge mit Discountern wie Netto, Norma oder Plus ab. Die nehmen den Herstellern große Mengen ab, verschleudern das Bier anschließend als billige Hausmarke.

Für die Traditionsbrauer eigentlich ein Pakt mit dem Teufel. Denn: Zwar halten sie mit dem Discounter-Deal ihre Produktion hoch. Auf der anderen Seite aber kannibalisieren sie so ihre eigenen Marken. „Es rächt sich schnell, wenn manche Brauereien ihr Bier nahezu unter Einstandspreis abgeben“, mahnt Marc-Oliver Huhnholz vom Deutschen Brauer-Bund.

Von der Penner-Plörre zum Marktführer

Doch dass man mit Billig-Gerstensaft durchaus auch erfolgreich sein kann, macht seit Jahren die bayerische Oettinger-Brauerei vor. Einst als Penner-Plörre oder Kopfschmerz-Brause verpönt, hat sich das Unternehmen mittlerweile zur größten deutschen Brauerei gemausert.

Ohne TV-Werbung oder Sponsoring, dafür aber mit ausgeklügelter Logistik. Und einer Hightech-Produktion, die nach Unternehmens-Angaben nicht einmal halb so viel Strom frisst wie die anderer Großbrauereien.

Oettinger-Kästen sind einheitlich blau, die Kronkorken unbedruckt, all das spart Kosten. „Ich hole jeden Cent raus“, sagt Senior-Chef Günther Kollmar. „Kosten, die nicht entstehen, müssen wir auch nicht weitergeben.“ 2009 verkauften die Bayern 6,6 Millionen Hektoliter Bier. Oft ist die Kiste für 3,99 Euro zu finden, mehr als 6 Euro kostet sie nie.

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